Wer etwas fürs Klima tut, soll dafür belohnt werden. Der Austausch alter Öl- und Gasheizungen gegen moderne Wärmeerzeuger, die erneuerbare Energien nutzen, wird im Rahmen der Austauschprämie mit bis zu 45 % Kostenübernahme bezuschusst. Das birgt nicht nur Potenziale für das Klima, sondern auch für private Sparmaßnahmen. Welche Maßnahmen geplant sind, welche Fragen sie aufwerfen und inwiefern sich der Heizungstausch für Privathaushalte lohnt, beleuchten wir im Folgenden.

Für ein klimafreundliches Wachstum müssen wir unser Leben ändern und im gleichen Zuge auch unsere Wirtschaft. Diesen Schluss zogen die Bundesregierung und 197 weitere Staaten, die sich auf der Weltklimakonferenz von 2015 trafen. Eines der Ziele: bis zum Jahr 2030 den Ausstoß von Treibhausgasen um mindestens 40 % gegenüber 1990 zu verringern und die Erderwärmung auf unter 2° C, möglichst auf 1,5° C zu begrenzen. In den Sektoren Verkehr, Gebäude, Kleinindustrie, Landwirtschaft und Abfall – den sogenannten Non-ETS-Bereichen – hat sich Deutschland verpflichtet, seine CO2-Emissionen bis 2030 um 38 % gegenüber 2005 zu verringern. Die Maßnahmen dafür sind im „Klimaschutzprogramm 2030“ konkretisiert. Eine davon hat das Ziel, die Austauschrate von alten Heizungen, vor allem Ölheizungen, zu erhöhen. In die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) ist daher seit dem 02.01.2020 eine „Austauschprämie“ mit einem Förderanteil von 40 % oder sogar 45 % für ein neues, effizienteres Heizsystem integriert worden.

Durch Heizen mit erneuerbaren Energien in die Klimazukunft

In den Eckpunkten für das Klimaschutzprogramm 2030 wird erläutert, dass das Förderkonzept mit 40%-Prämie einen Anreiz schaffen soll, Heizsysteme, die mit Heizöl oder anderen fossilen Brennstoffen betrieben werden, durch solche mit erneuerbarer Wärme zu ersetzen. Wo dies nicht möglich ist, kann eine effiziente hybride Gasheizungen, die anteilig erneuerbare Energien einbindet, zum Einsatz kommen. Zudem strebt die Bundesregierung eine gesetzliche Regelung an, die den Einbau von Ölheizungen ab 2026 nicht mehr gestattet, sofern in den jeweiligen Gebäuden eine klimafreundliche Wärmeerzeugung möglich ist. Hybridlösungen seien jedoch weiterhin erlaubt. Für Haushalte, für die eine moderne Heizungsanlage zu teuer ist, soll es unterstützende Contracting- oder Leasingangebote geben.

Moderne Kandidaten für die BEG Austauschprämie

Zu den effizienten und klimafreundlichen Heizungen gehören Holzheizungssysteme wie Pellet- oder Scheitholzheizungen und Wärmepumpen (Luft-, Erd- oder Wasserwärmepumpen). Außerdem Solarheizungen mit Saisonspeicher, die in sehr gut gedämmten und dafür konzipierten Häusern möglich sind. Die oben genannten Hybrid-Systeme können Pelletheizungen mit Solarthermieanlage sein, die vollständig erneuerbare Wärme produzieren. Bei den Hybridheizungen mit Gas handelt es sich um Gasheizungen, die beispielsweise zusätzlich eine Wärmepumpe kombinieren.

Ab wann tritt die Austauschpämie in Kraft?

Die Richtlinie zur Austauschprämie tritt am 01.01.2020 in Kraft. Durch ein elektronisches Beantragungssystem können bereits seit dem 02.01.2020 Anträge über das BAFA gestellt werden.

Welchen Fördersatz kann die Prämie tatsächlich erreichen?


Die Abwrackprämie für Ölheizungen liegt bei 45 %, wenn die alte Anlage gegen eine sogenannte Öko-Heizung getauscht wird. Diese Heizungen nutzen 100 % erneuerbare Energien zum Heizen. Wird neben einer erneuerbaren Heiztechnologie wie einer Solarthermieanlage der fossile Energieträger Gas verwendet, können sich Heizungsmodernisierer über einen Zuschuss in Höhe von 40 % freuen. Der erneuerbare Anteil muss dabei mindestens 25 % der Heizlast des Gebäudes abdecken.

Das Ziel muss bleiben, weiterhin die CO2-Emissionen zu senken. Wenn sich Bauherrn jedoch für eine zwar ökologische, aber extrem teure und komplexe Heizungsanlage entscheiden, die dann „auf Hochtouren“ laufen muss, um ein altes, ungedämmtes Haus zu erwärmen, ist dem Klima nicht geholfen. Ein solcher „Missbrauch“ müsste verhindert werden. Denn Hauseigentümer sollen nicht dazu verleitet werden, an einer Stelle Geld einzusparen, die tatsächlich geeigneter wäre, den CO2-Ausstoß zu mindern – wie im obigen Beispiel die Dämmung des Hauses, statt einer besseren Heizung. 


Welche Kosten werden übernommen?

Folgende tatsächlich entstandene Kosten können für die Förderung u. a. angesetzt werden:

  • Anschaffungskosten für die neue Heizung
  • Kosten der Installation, Einstellung und Inbetriebnahme der neuen Heizung
  • folgende notwendige Maßnahmen in unmittelbarem Zusammenhang mit der Installation und Inbetriebnahme
    der neuen Heizung
  • Deinstallation und Entsorgung der Altanlage inkl. ggf. Tanks
  • Optimierung des Heizungsverteilsystems (Anschaffung und Installation von Flächenheizkörpern, Verrohrung, Hydraulischer Abgleich, Einstellen der Heizkurve etc.)
  • notwendige Wanddurchbrüche
  • Erdbohrungen zur Erschließung der Wärmequelle bei Wärmepumpen
  • Schornsteinsanierung
  • Anschaffung und Installation von Speichern bzw. Pufferspeichern
  • Kosten für die Errichtung eines Staubabscheiders oder einer Einrichtung zur Brennwertnutzung bei Biomasseanlagen
  • Ausgaben für die Einbindung von Experten für die Fachplanung und Baubegleitung des Einbaus der geförderten Anlage

Die förderfähigen Kosten, die anerkannt werden können, sind begrenzt:

  • bei Gebäuden, die überwiegend dem Wohnen dienen (Wohngebäude), können max. 50.000 Euro pro Wohneinheit anerkannt werden
  • bei Gebäuden, die nicht überwiegend dem Wohnen dienen (Nichtwohngebäude), können max. 3,5 Mio. Euro pro Gebäude anerkannt werden.

Weiterführende Details hält das BAFA im Merkblatt zu den förderfähigen Kosten im Programm Heizen mit erneuerbaren Energien bereit.

Die Austauschprämie lohnt sich – nicht nur für Privathaushalte

Das Umsatteln auf moderne, klimafreundliche Heizungsanlagen lohnt sich. Sowohl für die Heizungsindustrie als auch für Privathaushalte. Aktuell sind in Deutschland etwa 5,4 Millionen Ölheizungen in Betrieb. Davon würde sich für 88 %, also 4,7 Millionen, ein Austausch lohnen, da jene Heizungen über keine effizienten Brennwertgeräte verfügen. Noch gravierender ist der aktuelle Stand bei den Gasheizungen. Von 13,4 Millionen heizen derzeit immer noch 7,1 Millionen ohne Brennwerteffekt – also ohne die Abgaswärme zu nutzen, was Energie und Kosten sparen und weniger Schadstoffemissionen verursachen würde. Zusammengenommen sind es also 11,8 Millionen Haushalte, die in den kommenden Jahren von der Austauschprämie profitieren könnten. Den Bund würde das bei einem durchschnittlichen Zuschuss von jeweils 5.000 Euro satte 59 Milliarden Euro kosten. Schätzungen zufolge könnte die Heizungsindustrie einen Umsatz in Höhe von 150 Milliarden Euro generieren.

Der finanzielle Vorteil für Privatleute: Der Einbau moderner Wärmeerzeuger allein geht schon mit so hoher Energieeinsparung einher, dass er sich auch ohne Förderung lohnt. Mit der Austauschprämie rechnen sich die Ausgaben schneller, außerdem schaffen moderne Heizanlagen zusätzliche Sicherheit und Zuverlässigkeit. Sie sind mit modernen Regelsystemen ausgestattet, Ersatzteile können einfach beschafft werden.

Unser Fazit zur Austauschprämie für Ölheizungen: Sowohl für die Klimaziele der Bundesregierung als auch für die individuellen Haushalte sind moderne, energieeffiziente Heizungsanlagen sinnvoll. Auf was sich Hausbesitzer und Handwerker nun einstellen müssen, beschreiben wir in unserem Beitrag über die Änderungen einer Förderung bei KfW und BAFA ab 2020.