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Die Bundesregierung hat im September des Jahres 2019 ein Gesetz zum Klimaschutzprogramm 2030 vorgelegt. Die Eckpunkte dieses Programms beschreiben die Herausforderungen der Klimafrage und sollen die Potentiale für einen geeigneten Klimaschutz in Deutschland aufzeigen. Der Gebäudesektor ist einer von weiteren Sektoren, der durch Erneuerungen in der Auslegung und Beantragung einer Förderung bei der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) und dem BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) umgestaltet werden wird. Welche Änderungen sich ab 2020 für eine Förderung der Heizung oder Gebäudehülle im Detail ergeben, wo diese zu beantragen ist und wie hoch diese ausfallen kann, wird im Folgenden beschrieben.

Konkrete Änderungen in Deutschlands Förderlandschaft ab 2020

Als erstes gilt es anzumerken, dass Hausbesitzer und potentielle Sanierer künftig von höheren Fördergeldern profitieren können. Nicht nur die Höhe der Förderung für Einzelmaßnahmen oder KfW-Effizienzhäuser wird attraktiver, auch der Fördersatz für die Energieberatung vor Ort soll steigen. Dadurch wird ein weiterer Anreiz für eine gewerkeübergreifende Beratung gegeben.

Überblick über die maßgebenden Erneuerungen der Förderung:

  • Für die Gewerke der Gebäudehülle (Fenster, Dach & Fassade) und für Effizienzhäuser wird die Förderung der KfW ab 2020 um 10 % angehoben. 20 % KfW Förderung können demnach in naher Zukunft als Zuschuss beantragt werden. Die Antragstellung läuft hierbei wie bisher über einen gelisteten, zertifizierten Energieeffizienz-Experten.

  • Seit dem 01.01.2020 werden keine reinen Brennwertheizungen mehr gefördert. Das Heizungspaket und Lüftungspaket (KfW Zuschuss von 15 %) ist eingestellt.

  • Eine Förderung für das Heizen mit erneuerbaren Energien kann seit dem 02.01.2020 über das BAFA beantragt werden (MAP - Marktanreizprogramm). Dafür steht ein elektronisches Beantragungssystem zur Verfügung. Die Höhe für einen Zuschuss reicht von 20 % für eine Gas-Brennwertheizung "renewable ready" bis zu 45 % durch die Austauschprämie Ölheizung mit Nutzung von 100 Prozent regenerativer Energie. Die Einbindung eines Energieberaters ist nicht mehr verbindlich. Eine Baubegleitung, wie sie mit 50 % durch die KfW gefördert wird, ist bei der Erneuerung der Heizung nicht mehr zwingend vorgeschrieben. Gemäß Liste der förderfähigen Kosten können jedoch die Kosten für Beratungs-, Planung- und Baubegleitungsleistungen durch z. B. einen Energieberater angesetzt werden.

    Die Ausnahme bildet die Brennstoffzelle, welche weiterhin über die KfW in Programm 433 gefördert wird. Das Einbeziehen eines gelisteten Energieberaters ist hierbei notwendig.

  • Öl-Brennwertgeräte werden nicht mehr gefördert. Der Einbau soll ab 2026 nur noch in bestimmten Ausnahmefällen gestattet werden. Wenn zum Beispiel kein Gasanschluss möglich ist.

    Gas-Brennwertgeräte werden mit 20 % gefördert, wenn diese „renewable ready“ (bereit für erneuerbare Energien) sind. Das bedeutet, dass der Einbau einer Brennwertheizung bereits die Einbindung z. B. einer solarthermischen Anlage berücksichtigt. Ein Pufferspeicher müsste demnach bereits entsprechend geplant und installiert werden. Hausbesitzer müssen dann innerhalb von 48 Monaten das Heizsystem um Solarkollektoren ergänzen. Es ist davon auszugehen, dass es diesbezüglich Überprüfungen geben wird, welche die Einhaltung der Förderkriterien festigen und die Hybridisierung bestätigen. Ein Missbrauch könnte dazu führen, dass bereits ausgeschüttete Fördergelder zurückgezahlt werden müssen.

    Hybridheizungen werden mit 30 % Zuschuss gefördert, wenn die erneuerbare Wärme mindestens 25 Prozent der Heizlast des Gebäudes abdeckt. Wird das Heizsystem auf ausschließlich erneuerbarer Energie basieren, wird dies mit 35 % bezuschusst.

    Wird eine alte Ölheizung auf ein hybrides Heizungssystem umgerüstet, werden sogar 40 % an Förderung bereitgestellt. Wenn die Umrüstung komplett mit ökologischen Heiztechnologien geplant wird, beträgt die Förderung reizvolle 45 %. Hierbei wird sich vermutlich in den kommenden Jahren der Begriff „BEG Austauschprämie“ etablieren.

  • Je Wohneinheit können förderfähige Kosten wie bisher in Höhe von 50.000 € für einen Zuschuss verwendet werden.

  • Ab dem 01.01.2021 sollen alle bestehenden Förderprogramme für energetische Sanierung der KfW und BAFA in der sogenannten Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) gebündelt und beantragt werden. In einem sogenannten One-Stop-Shop können Förderempfänger zukünftig Gewerke der Gebäudehülle und Heiztechnik (regenertaive Energien) in Kombination wählen und somit nur einen Antrag stellen.

  • Die BAFA-Vor-Ort-Beratung wird vermutlich ab dem 2. Quartal 2020 mit 80 %, statt wie vorher mit 60 %, gefördert. Das schafft einen weiteren wichtigen Anreiz für eine umfangreiche Beratung. Ziel wird es sein, Maßnahmen so zu konzipieren, dass ein Effizienzhaus-Niveau erreicht werden kann. Wie bereits beschrieben, steigt auch bei Effizienzhäusern die Förderung bei der KfW um 10 Prozent an.

  • Steuerliche Förderung für energetische Sanierungen (Kumulierung nicht möglich)

    Seit dem 01.01.2020 können energetische Einzelmaßnahmen bei selbstgenutzten Ein- und Zweifamilienhäusern steuerlich geltend gemacht werden. Diese Förderung soll als dritte Säule neben den Zuschüssen und Förderung über Kredit dienen. Der Steuersatz liegt bei 20 %. Die Einbindung eines Energieberaters ist hierbei nicht verpflichtend. Die Energieberaterleistung kann jedoch zusätzlich mit 50 % gefördert werden. Für die Bestätigung der Durchführung, unter Berücksichtigung der geltenden Mindestanforderung, sind gemäß Verordnung Fachunternehmer aus den betreffenden Gewerken berechtigt. Geregelt wird dies in § 35c des Einkommensteuergesetzes.

    Wie sieht die steuerliche Förderung von Einzelmaßnahmen inhaltlich aus?

    • max. Gebäudesanierungshöhe von 200.000 €
    • die Immobilie muss mindestens 10 Jahre alt sein (maßgebend ist der Beginn der Herstellung des Gewerkes)
    • max. können 40.000 € für ein Objekt steuerlich geltend gemacht werden (Zeitraum 3 Jahre)
    • kombinieren mehrerer Einzelmaßnahmen ist möglich
    • Mindestanforderungen werden in der Rechtsverordnung geregelt (ähnlich KfW Programme)

Wichtigste Änderungen für eine Förderung beim BAFA für Heizen mit erneuerbaren Energien und für einen Zuschuss bei der KfW ab 2020 im Überblick:

Förderung bei KfW und BAFA ab 2020 BAFA
Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle
(Förderung in Prozent)
KfW
Kreditanstalt für Wiederaufbau
(Förderung in Prozent)
Heiztechnik
Öl-Brennwertheizung X X
Gas-Brennwertheizung X X
Gas-Brennwertheizung "renewable ready"
Vorbereitung zur Nachrüstung
z. B. einer solarthermischen Anlage
20 % X
Solarkollektoren 30 % X
Hybridheizung
z. B. Gas-Brennwert mit Luft-Wärmepumpe
(erneuerbarer Anteil muss mindesten 25 % der Heizlast betragen)
30 % X
Öko-Heizung
100 % regenerative Energien
z. B. Pelletkessel + Solarthermie
35 % X
Umrüstung Ölheizung auf Hybridheizung
"Austauschprämie"
z. B. Gas-Brennwert mit Solarthermieanlage
(erneuerbarer Anteil muss mindesten 25 % der Heizlast betragen)
40 % X
Umrüstung Ölheizung auf Öko-Heizung
100 % regenerativ
z. B. Wärmepumpe + Photovoltaik
(PV wird nicht über BAFA gefördert)
45 % X
Brennstoffzelle X gemäß KfW Programm 433
Gebäudehülle
Fenster
Fassadenfenster und Dachfenster
X 20 %
Dämmung
Fassade, Geschossdecken und Dach
X 20 %
Effizienzhäuser
jeweils in den einzelnen Effizienzhausstufen
(max. Kreditbetragt steigt auf 120.000 €)
X 25 - 40 %
Energieberatung
BAFA-Vor-Ort-Beratung
(individueller Sanierungsfahrplan)
80 %
vermutlich ab dem 2. Quartal 2020
X

Mehr Informationen zu den Fördervoraussetzungen und zu den technischen Mindestanforderung gibt das BAFA in den "Fördervoraussetzungen im Programm Heizen mit Erneuerbaren Energien" bekannt. Des Weiteren stellt das BAFA eine aktuelle Version des Merkblatts zu den förderfähigen Kosten im Programm "Heizen mit Erneuerbaren Energien" zur Verfügung.

Nähere Informationen zur KfW Förderung aus Programm 430 (Investitionszuschuss) hält die KfW bereit.

Was bedeutet das zukünftig für Förderempfänger?

Hausbesitzer werden sich in Zukunft bei dem Thema Förderung für energetische Sanierung neu orientieren müssen. Positiv hervorzuheben sind die höheren Fördersätze.

Für Heizungssanierungen ist eine Qualitätskontrolle durch eine unabhängige Instanz (Energieberater) nicht mehr zwingend vorgeschrieben. Die fachgerechte Ausführung des hydraulischen Abgleich bleibt beim Einbau einer Brennwertheizung (renewable ready oder Gas-Hybrid) von hoher Wichtigkeit und muss entsprechend nachgewiesen werden. Auch für die Technologien zum Heizen mit erneuerbaren Energien, also für Biomasse und Wärmepumpe, ist ein hydraulischer Abgleich für den Erhalt einer Förderung verpflichtend.

Nicht außer Acht zu lassen sind die zu erwartenden Mehrkosten für die Anschaffung hybrider Heiztechnologien. Für eine Gas-Brennwertanlage mit einer warmwasserunterstützenden Solarthermieanlage fallen zum Beispiel je nach Bundesland und Fachbetrieb Kosten zwischen 14.000 € - 18.000 €* an (in Baden-Württemberg liegen die Kosten noch deutlich höher).

Eine Hybridheizung auf Basis fossiler Energie (Gas-Brennwert mit Luft-Wärmepumpe) ruft Kosten in Höhe ab ca. 22.000 €* auf. Diese Technologien sind sehr erklärungsbedürftig, weshalb die Einbeziehung eines in diesem Bereich erfahrenen Energieberaters sinnvoll sein kann.

Zwar steigen die Fördersätze erfreulich an, dennoch darf nicht vergessen werden, dass die Gelder für die Anschaffung klimafreundlicher Technologien von privaten Hausbesitzern erst einmal bereitliegen müssen.

Entscheidend ist, dass das Heizsystem für die Immobilie geeignet ist. Der Einbau einer Wärmepumpe beispielsweise ist nur dann zu empfehlen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Diese sind unter anderem eine bereits energetisch ertüchtigte Gebäudehülle und im besten Fall eine Wärmeübertragung über Fußbodenheizung. Hat die Immobilie eine zu hohe Heizlast, wird das Haus gegebenenfalls mit Strom beheizt. Das ist unbedingt zu vermeiden, vor allem dann, wenn der Strom nicht aus regenerativen Energien stammt. Der Bezug einer möglichst hohen Förderung sollte also nicht im Vordergrund stehen, die Sinnhaftigkeit von Kosten und Nutzen sollte es jedoch sein.

Anforderungen an das Handwerk

Fachbetriebe werden in den kommenden Jahren intensivere Gespräche mit ihren Kunden führen müssen. Die neue Förderlandschaft zu überblicken, vor allem auch gewerkeübergreifend, wird sicherlich eine Herausforderung darstellen. Es lohnt sich dementsprechend frühzeitig Kooperationen mit Energieberatern einzugehen, um die tiefergehende Beratung auszulagern.

Neben der Unterstützung des Kunden bei der Beantragung einer Förderung über das BAFA, werden Fachbetriebe zukünftig auch Bestätigungen für die steuerliche Absetzung energetischer Maßnahmen ausstellen. Je nach Betriebsgröße kann das zu zeitlichen Engpässen führen.

Heizungsbauer werden zusätzlich Zeit in Schulungen zu den hybriden Technologien investieren müssen.

Fazit

Bis sich Hausbesitzer, Fachhandwerker und Energieberater mit den Neuerungen bei der Förderung über KfW und BAFA arrangiert haben, werden voraussichtlich einige Monate vergehen. Monate in denen in vielen Bereichen eine gewisse Unsicherheit bei den Beteiligten existieren wird und eventuell geplante Sanierungen aufgeschoben werden.

Vor allem die Beantragung einer Förderung der Heizung beim BAFA könnte in den Anfängen die Sanierungsquote senken. Aktuell ist es so, dass eine Zuschusszusage seitens des BAFA vorliegen muss, bevor der Auftrag an den Heizungsbauer vergeben werden darf. Allein dieser Umstand wird Verzögerungen hervorrufen, da die technische Prüfung der Angebote bei der Vielzahl an eingehenden Anträgen nicht unerheblich sein wird. Der Aufbau eines geeigneten Beantragungssystems, welches eine schnelle Rückmeldung zum Antrag ermöglicht, wird entscheidend sein.

Ab dem 01.01.2021 ist die Zusammenführung der Förderprogramme von KfW und BAFA zur Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) geplant. Die Beantragung für einen BEG-Zuschuss verschiedener Gewerke und Technologien soll dadurch vereinfacht werden. Wie genau die Antragstellung aussieht, wird sich wahrscheinlich im Laufe des Übergangsjahres 2020 abzeichnen.

Wir halten Sie dazu auf dem aktuellen Stand.

*Die genannten Kosten sind Erfahrungswerte und geben lediglich eine Richtung vor und verstehen sich inkl. Montage. Um im Einzelfall genauere Kosten zu erhalten, ist zwingend ein vor Ort Termin mit entsprechender Angebotserstellung durch einen Fachbetrieb erforderlich. Die gemachten Angaben sind ohne Gewähr.